Warum sich Dranbleiben auszahlt auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin der Weg führt

Über Umwege, Mut, Initiativbewerbungen und die Erkenntnis, dass Erfolg manchmal ganz anders aussieht als erwartet.

Manchmal beginnt eine Veränderung nicht mit einem perfekten Plan. Nicht mit einem klaren Ziel,

einer To-do-Liste und der Gewissheit, dass am Ende genau das herauskommt, was man sich vorgestellt hat.

Manchmal beginnt sie einfach damit, dass man merkt: So wie es gerade ist, möchte ich nicht weitermachen.

Als ich angefangen habe, mich beruflich neu zu orientieren, dachte ich zunächst, ich wüsste

ziemlich genau, wonach ich suche. Ich wollte näher bei meinen Freunden sein, wieder mehr Leben

um mich herum haben, vielleicht in einer schönen Stadt wohnen, nach der Arbeit spontan einen

Kaffee trinken gehen, essen gehen, Menschen treffen.

Mein Beruf war wichtig – natürlich.

Aber ich dachte, dass bei meiner nächsten Entscheidung vor allem der Ort und mein privates Umfeld eine große Rolle spielen würden.

Heute weiß ich: Ich hatte keine Ahnung, wie sehr sich meine Prioritäten in den kommenden Wochen verändern würden.

Nicht dort suchen, wo alle anderen sind – sondern dort, wo etwas zu mir passt

Meine Mutter, die mir schon oft erstaunlich gute Ratschläge gegeben hat, sagte irgendwann

sinngemäß zu mir: Such nicht nur danach, wo andere Menschen leben. Such danach, was für dich richtig ist.

Freunde verschwinden schließlich nicht, nur weil man nicht in derselben Stadt wohnt. Und neue

Menschen kann man überall kennenlernen. Also weitete ich meine Suche aus.

Tegernsee. Starnberger See. Chiemsee. Rosenheim. Traunstein. Schließlich sogar Feldkirch in

Österreich. Innerhalb weniger Wochen fuhr ich hunderte Kilometer. Fast jede freie Minute neben meiner

Arbeit ging für Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Probearbeiten und Praxisbesuche drauf. Ich

saß im Auto, in Zügen, in fremden Praxen, führte unzählige Gespräche und versuchte

herauszufinden, was ich eigentlich suchte.

Von München in die Schweiz

Und genau dabei passierte etwas Spannendes: Meine Prioritäten veränderten sich fast mit jedem

Gespräch. Was am Anfang noch nach „Hauptsache ein schönes Leben in der Nähe meiner Freunde“

geklungen hatte, wurde plötzlich viel differenzierter. Mir wurde bewusst, wie wichtig mir mein Beruf

tatsächlich ist. Wie sehr ich für Zahnmedizin brennen kann – aber eben nur dann, wenn ich das

Gefühl habe, mich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und fachlich wirklich gefordert und inspiriert zu werden.

Für mein Umfeld war das wahrscheinlich zeitweise ziemlich verwirrend. Gefühlt wusste jede

Woche jemand etwas anderes darüber, was ich nun angeblich wollte.

Für mich selbst fühlte es sich aber erstaunlicherweise nicht nach Orientierungslosigkeit an.

Eher nach dem Gegenteil. Mit jeder Praxis, jedem Gespräch und jeder Erfahrung fiel ein weiteres Puzzleteil an seinen Platz.

Ich verstand langsam, was mir wichtig war – und vor allem, was mir nicht reichte.

Ich hörte auf, nur nach ausgeschriebenen Stellen zu suchen. Am Anfang machte ich das, was vermutlich die meisten Menschen bei einer Jobsuche tun: Ich schaute nach offenen Stellen.

Doch relativ schnell war ich ernüchtert. Also begann ich, meine Strategie zu verändern.

Ich probierte Dinge aus, die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Ich schaute

mir unterschiedliche Fachrichtungen an und versuchte herauszufinden, welche Bereiche der Zahnmedizin mich wirklich faszinieren.

Und als sich langsam herauskristallisierte, wofür ich brenne, machte ich etwas anderes:

Ich suchte nicht mehr nur nach Arbeitgebern, die gerade jemanden suchten.

Ich suchte nach Menschen, von denen ich lernen wollte.

Ich schrieb Praxen an, die in meinen Interessengebieten besonders stark waren. Praxen, deren

Arbeit ich beeindruckend fand. Menschen, bei denen ich dachte: Wenn ich dort auch nur einen

kleinen Einblick bekomme, nehme ich etwas mit, das mich weiterbringt.

Ob dort eine Stelle ausgeschrieben war oder nicht, wurde zweitrangig.

Das klingt rückblickend ziemlich entschlossen. In der Realität war es vor allem eines: frustrierend.

Initiativbewerbungen bleiben oft unbeantwortet. Man bekommt Absagen. Oder überhaupt keine

Reaktion. Und irgendwann fragt man sich natürlich, warum man eigentlich noch die nächste

Bewerbung schreiben sollte. Ich schrieb trotzdem weiter.

Das letzte Puzzleteil fällt an seinen Platz

Gefühlt tippte ich mir die Finger wund. Praxen, Kliniken, verschiedenste Positionen – irgendwann

wusste ich selbst nicht mehr, wie viele Bewerbungen ich verschickt hatte.

Und dann klingelte drei Wochen später mein Telefon. Der Anruf, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Am anderen Ende war eine Mitarbeiterin aus einer Praxis, die ich initiativ angeschrieben hatte.

Sie erklärte mir sehr offen, dass es dort überhaupt keine freie Stelle gebe. Die Praxis sei sehr

speziell und exklusiv ausgerichtet. Der Zahnarzt selbst sei aber grundsätzlich bereit, jungen

Menschen etwas beizubringen, wenn er das Gefühl habe, dass echtes Interesse und Engagement

dahinterstecken. Ich könne zu einem Gespräch kommen. Wenn die Chemie stimme, könne vielleicht eine Hospitation daraus entstehen.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal annähernd, welche Bedeutung dieser Anruf für mich bekommen würde.

Es stellte sich heraus, dass ich bei einem international renommierten Zahnarzt gelandet war, der

auf seinem Gebiet zu den absoluten Spitzenleuten gehört. Und aus irgendeinem Grund stimmte die Chemie.

Aus einem Gespräch wurde eine Hospitation. Aus einer Hospitation wurde etwas Regelmäßiges.

Seit mehreren Monaten darf ich nun einmal pro Woche dort mitarbeiten, beobachten und lernen.

Natürlich ist allein ein solcher Kontakt wertvoll. Ein renommierter Name kann Türen öffnen. Aber

das Entscheidende war für mich etwas ganz anderes:

Was ich dort gesehen und gelernt habe, hat meinen Blick auf meinen eigenen Beruf verändert.

Bis dahin hatte ich mich immer wieder gefragt: Chirurgie? Parodontologie? Ästhetik? Prothetik?

Was davon ist wirklich meins?

Ich bin ein Mensch, der sich schnell für vieles begeistern kann. Das ist manchmal schön – und

manchmal macht es Entscheidungen nicht unbedingt leichter.

Doch dort hatte ich von Anfang an dieses Gefühl. Dieses Brennen.

Diese Mischung aus Neugier, Begeisterung und dem Gedanken:

Genau so etwas möchte ich auch können.

Plötzlich sah ich, wie anders Zahnmedizin aussehen kann. Welche fachliche Tiefe möglich ist.

Welche Wege es gibt, von denen ich vorher noch nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Diese Erfahrung hat mir nicht einfach eine weitere Station für meinen Lebenslauf gegeben.

Sie hat mir eine Richtung gegeben. Und sie entstand nur, weil ich eine Bewerbung an eine Praxis geschickt hatte, die überhaupt niemanden suchte.

Der Kongress der alles veränderte

Der nächste Schritt: allein auf einen Kongress

Trotz all dieser Erfahrungen war meine eigentliche Jobsuche irgendwann frustrierend.

Ich bekam viel positives Feedback. Bei Vorstellungsgesprächen und Probearbeiten merkte ich,

dass ich gut bei Menschen ankam. Ich lernte, meine Stärken zu zeigen, professionell aufzutreten

und klar zu kommunizieren, was ich kann und was ich lernen möchte.

Das hat mir enorm viel Selbstvertrauen gegeben.

Gleichzeitig fand ich trotzdem nicht das, wonach ich suchte.

Also dachte ich: Vielleicht muss ich wieder etwas anders machen.

Ich meldete mich für einen Kongress an, der mich fachlich wirklich interessierte. Viele Experten,

spannende Persönlichkeiten, Menschen, deren Arbeit ich kannte und von denen ich lernen wollte.

Und ich ging allein hin.

Für andere mag das banal klingen. Für mich war es das nicht.

Ich war vorher noch nie allein auf einen solchen Kongress gegangen und hatte erst recht nicht

einfach Menschen angesprochen, zu denen ich fachlich aufschaute.

Diesmal tat ich genau das.

Nicht aufdringlich. Nicht mit irgendeiner ausgeklügelten Networking-Strategie. Sondern ziemlich ehrlich.

Ich sagte sinngemäß: “Ich finde spannend, was Sie machen. Ich möchte lernen. Gibt es irgendeine

Möglichkeit, bei Ihnen etwas mitzunehmen – über eine Hospitation, ein Praktikum oder vielleicht sogar beruflich?”

Und wieder passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Die Reaktionen waren unglaublich positiv.

Ich merkte, dass Menschen, die selbst viel erreicht haben, Engagement häufig nicht belächeln –

sondern schätzen. Dass es überhaupt nicht peinlich ist, zuzugeben, dass man etwas lernen

möchte. Und dass eine Tür sich manchmal erst dann öffnet, wenn man überhaupt den Mut hat, anzuklopfen.

Und dann stand ich beim Getränkeholen plötzlich vor der Schweiz

Auf genau diesem Kongress passierte schließlich etwas, das meine gesamte weitere Suche

verändern sollte. Beim Wasserholen lernte ich zufällig einen Zahnarzt aus der Schweiz kennen.

Kein geplantes Networking. Kein strategisch vereinbarter Termin. Einfach eine zufällige Begegnung.

Wir verstanden uns gut, besuchten einige Kurse und Workshops gemeinsam und sprachen viel

über seinen Lebensweg. Er stammte ebenfalls aus Deutschland, war irgendwann in die Schweiz

gegangen und führte dort inzwischen gemeinsam mit seiner Mutter zwei Praxen.

Er bemerkte schnell, wie sehr mich die Schweiz faszinierte – und irgendwann lud er mich ein, mir das Ganze selbst anzusehen. Also fuhr ich hin.

Drei Tage. In meinem Urlaub. In einem anderen Land.

Ich arbeitete dort mit, wohnte in einer Unterkunft und nahm sogar meinen Hund mit, weil ich nicht nur eine Praxis kennenlernen wollte. Ich wollte wissen, wie sich ein echtes Leben dort anfühlen könnte.

Es war aufregend. Teilweise auch beängstigend.

Und gleichzeitig hatte ich von Anfang an ein Gefühl, das sich schwer rational erklären lässt. Als würde sich plötzlich etwas aufklären.

Als hätte ich etwas gefunden, von dem ich vorher gar nicht genau wusste, dass ich danach gesucht hatte.

Am Ende arbeite ich heute nicht in dieser Praxis. Auch der Kontakt zu diesem Zahnarzt besteht inzwischen nicht mehr.

Und trotzdem werde ich ihm wahrscheinlich immer dankbar sein.

Denn nicht jeder Mensch, der uns auf einen neuen Weg bringt, muss diesen Weg anschließend mit uns weitergehen.

Manche Menschen zeigen uns einfach eine Tür. Durchgehen müssen wir selbst.

Von einer zufälligen Begegnung zum unterschriebenen Vertrag

Nach dieser Erfahrung begann ich, mich gezielt in der Schweiz umzusehen.

Wieder Vorstellungsgespräche. Wieder Fahrten. Wieder Unsicherheit. Wieder die Frage, ob ich

vielleicht gerade etwas völlig Verrücktes mache. Aber diesmal wusste ich zumindest eines: Dieses Gefühl wollte ich weiterverfolgen.

Also blieb ich dran.

Und irgendwann kam dieses eine Vorstellungsgespräch. Daraus wurde eine Einladung. Daraus wurden zwei intensive, tolle Tage vor Ort.

Und plötzlich lag da ein Arbeitsvertrag. Unterschrieben.

Wenn ich heute zurückblicke, erscheint dieser Weg fast logisch. Als hätte ein Schritt automatisch

zum nächsten geführt. Aber so hat es sich mittendrin überhaupt nicht angefühlt.

Mittendrin gab es keinen roten Faden.

Da gab es Absagen. Keine Antworten. Lange Autofahrten. Zweifel. Richtungswechsel. Gespräche,

die nirgendwohin führten. Praxen, die auf dem Papier perfekt wirkten und sich trotzdem nicht richtig anfühlten.

Der rote Faden wird manchmal erst sichtbar, wenn man sich umdreht.

Vielleicht zahlt es sich aus – nur anders, als man denkt

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dieser Zeit mitnehme.

Wir wollen so gerne vorher wissen, ob sich etwas lohnt.

Ob diese Bewerbung Erfolg haben wird. Ob dieses Gespräch etwas bringt. Ob dieser Kontakt

wichtig wird. Ob diese Reise sinnvoll ist. Ob der Mut am Ende belohnt wird.

Aber genau das können wir meistens nicht wissen.

Meine vielleicht wertvollste Initiativbewerbung hat mir keinen Job gebracht.

Sie hat mir einen Mentor und eine fachliche Richtung gebracht.

Der Kongress hat mir nicht unmittelbar eine Stelle gebracht.

Er hat mich zufällig mit einem Menschen zusammengeführt, der mir eine neue berufliche und persönliche Welt gezeigt hat.

Die erste Praxis in der Schweiz wurde nicht mein Arbeitsplatz. Aber ohne sie hätte ich vielleicht nie begonnen, ernsthaft über ein Leben dort nachzudenken.

Und all die Gespräche und Probearbeiten, die vermeintlich „zu nichts geführt“ haben, haben mir geholfen herauszufinden, was ich eigentlich will.

Vielleicht ist Erfolg deshalb manchmal viel schwerer zu erkennen, als wir denken.

Nicht alles, was sich auszahlt, endet in dem Ergebnis, auf das wir ursprünglich hingearbeitet haben.

  • Manchmal bewirbt man sich für einen Job und findet stattdessen seine Leidenschaft.

  • Manchmal fährt man zu einem Kongress und findet ein neues Land.

  • Manchmal begegnet man einem Menschen nur für einen kurzen Abschnitt und bekommt dadurch eine völlig neue Richtung.

Und manchmal muss man sehr viele Türen ausprobieren, bevor man merkt, dass hinter einer

davon etwas liegt, nach dem man ursprünglich überhaupt nicht gesucht hatte.

Also: Geht los.

→ Schreibt die Bewerbung, auch wenn keine Stelle ausgeschrieben ist.

→ Sprecht den Menschen an, von dem ihr etwas lernen möchtet.

→ Geht allein zu der Veranstaltung, obwohl ihr euch dabei im ersten Moment unwohl fühlt.

→ Fahrt irgendwohin und schaut es euch an.

→ Probiert etwas aus.

→ Ändert eure Meinung.

Und habt keine Angst davor, dass euer Weg von außen vielleicht eine Zeit lang chaotisch aussieht.

Man muss nicht immer wissen, wohin etwas führt, damit es sich lohnt, loszugehen.

Vielleicht besteht Mut manchmal gar nicht darin, einen perfekten Plan zu haben. Vielleicht besteht er einfach darin, den nächsten Schritt zu machen – und darauf zu vertrauen, dass man unterwegs immer besser versteht, welcher Weg der eigene ist.

Vertraut auf Euch - alles passiert für Euch <3

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