Lucy & Kim Gone Swiss - Apartment Hunting
Was es wirklich bedeutet, in der Schweiz eine Wohnung mit Hund zu suchen
Es ist so weit - die ersten Schritte sind gemacht.
Das Schwierigste an einer solchen Entscheidung ist wahrscheinlich der Moment, in dem man seine Angst und Unsicherheit überwinden und sich überhaupt auf einen Neuanfang und ein Abenteuer einlassen muss. Hat man diesen Punkt erst einmal erreicht und überschritten, ist die größte Hürde schon geschafft. Denn genau an diesem Punkt scheitern vermutlich bereits die meisten.
Danach folgt eine kurze Phase, die vor allem von einem Gefühl geprägt ist: Stolz.
Stolz darauf, dass man den Mut aufgebracht hat. Dazu kommt eine gewisse Ruhe, weil das ewige Abwägen, Argumente-Gegeneinander-Aufwiegen und all das Hin und Her, das einen innerlich irgendwann verrückt macht, endlich ein Ende hat. Die Entscheidung ist gefallen. Man ist bereit - man weiß nur noch nicht so genau, worauf man sich da eigentlich eingelassen hat.
Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, Freunde und Familie werden eingeweiht und - sofern man ein Mensch ist wie ich, der gerne schon zehn Schritte im Voraus plant - beginnt man damit, Listen zu erstellen.
Mithilfe von KI ist es heutzutage zum Glück nicht mehr allzu schwer, die nötigen Informationen zusammenzutragen, um den Prozess des Auswanderns zumindest organisatorisch zu bewältigen.
Falls es jemanden gibt, der selbst darüber nachdenkt, in die Schweiz auszuwandern und vielleicht sogar im medizinischen Bereich tätig ist: Meldet euch gerne bei mir. Ich habe inzwischen eine komplette PDF-To-do-Liste mit chronologischer Reihenfolge erstellt - vom Job über Zulassungen und Wohnungssuche bis hin zum Umzug und der Einfuhr des Autos (schreibt mir bei Interesse einfach eine DM auf Insta oder kommentiert den Artikel dann melde ich mich bei euch)
Für mich als Zahnärztin gab es zunächst drei entscheidende Punkte:
1 Einen unbefristeten Arbeitsvertrag unterschreiben.
2 Meine berufliche Zulassung in der Schweiz beantragen.
3 Eine Wohnung finden - unter anderem für die weiteren administrativen Schritte rund um Aufenthalt und Berufsausübung.
Punkt eins und zwei konnte ich ziemlich schnell erledigen. Aber dann wäre da noch Punkt drei: Die Wohnung.
Dieses Thema wird sehr schnell relevant in dem Sinne, dass viele andere organisatorische Dinge an einen festen Wohnsitz mit Adresse gekoppelt sind. Solche Dinge sind beispielsweise die Krankenversicherung, die je nach Wohnort verschiedene Tarife hat, allgemeine Versicherungen, Bankkonten etc. Mal davon abgesehen, dass man gar keine Aufenthaltsgenehmigung erhält bzw. sich beim Kanton anmelden und einen Job ausüben kann sofern man keinen richtigen Wohnsitz vorweisen kann.
Willkommen auf dem Schweizer Wohnungsmarkt
Dass Wohnraum in vielen Regionen der Schweiz knapp und teuer ist, dürfte zunächst niemanden besonders überraschen. Schließlich sieht es in einigen deutschen Großstädten nicht wesentlich entspannter aus.
Auch dass die Schweiz preislich nicht unbedingt für Schnäppchen bekannt ist, war mir bewusst.
Die Wohnungsmärkte sind umkämpft und manchmal muss man eben etwas tiefer in die Tasche greifen. Aber jemand wie ich, der bereits in München gelebt und gemietet hat, dachte sich zunächst:
Das bekomme ich hin.
In Städten wie Zürich, Luzern oder Bern mag der Markt angespannt sein - aber immerhin gibt es einen Markt. Es gibt Inserate, Plattformen und ein gewisses Angebot, an dem man sich orientieren kann.
Meine Situation ist leider etwas spezieller.
Apartment Hunting: Engadin Edition
Das Engadin ist wunderschön - und das ist nun wirklich kein Geheimnis. Bergpanoramen, Täler, eisblaues Wasser und eine Natur, bei der man regelmäßig stehen bleibt und sich fragt, ob das gerade wirklich echt ist.
Wer gerne draußen ist und aktiv lebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Kein Wunder also, dass die Region jedes Jahr Menschen aus aller Welt anzieht. Touristen genauso wie Menschen, die hier arbeiten und leben möchten.
Nur der Wohnungsmarkt scheint davon gelegentlich noch nichts mitbekommen zu haben.
Wer außerhalb von Saison- und Ferienmieten nach dauerhaftem Wohnraum sucht, kommt ziemlich schnell an seine Grenzen. Das Angebot ist überschaubar - und vieles läuft offenbar gar nicht erst über die klassischen Immobilienportale.
"Unter der Hand", hieß es immer wieder, sei das Zauberwort.
Gut.
Doch da war Lucy noch nicht mit eingerechnet. Und dann steht da dieser eine Satz ...
Sollte tatsächlich einmal die seltene Gelegenheit eintreten, dass eine Wohnung inseriert wird und diese preislich auch nur knapp oberhalb des Budgets liegt, beginnt das Herz bereits ein wenig schneller zu schlagen.
Man klickt auf das Inserat.
Lage? Passt.
Größe? Passt.
Dauermiete?
Tatsächlich!
Fast möchte man an ein kleines Wunder glauben. Und dann scrollt man weiter nach unten. Ganz am Ende steht dieser eine kleine Satz:
"Haustiere nicht erwünscht."
Und da ist sie wieder dahin - die Hoffnung.
Wohnungssuche mit Hund
Leider ist genau das die Realität. Vor allem als Hundebesitzer.
Und bis zu einem gewissen Punkt kann ich die Vermieter sogar verstehen. Gerade bei möblierten Wohnungen möchte man Hundehaare, Verschmutzungen, mögliches Bellen oder Ärger mit den Nachbarn vermeiden.
Trotzdem gehören unsere Tiere zu unserem Leben - genauso selbstverständlich, wie für andere Menschen vielleicht der Partner oder die Familie.
Erst vor wenigen Tagen musste ich sehen, wie eine eigentlich schöne Wohnung durch Menschenhand in einen Ort voller Schmutz und Schimmel verwandelt worden war. Und da kam mir unweigerlich die Frage:
Wie viel schlimmer kann ein Hund eigentlich sein?
Anstatt Bewerber grundsätzlich abzulehnen, nur weil sie ein Haustier besitzen, fände ich es viel sinnvoller, Mensch und Tier zumindest die Chance zu geben, sich persönlich vorzustellen.
Denn Menschen sind unterschiedlich. Und Hunde eben auch.
Lucy hat beispielsweise in ihrem ganzen Leben kaum im Haus gebellt. In einer meiner früheren Wohnungen wussten Nachbarn lange Zeit nicht einmal, dass überhaupt ein Hund bei mir lebt. Wer selbst Wert auf Sauberkeit und Ordnung legt, kann das auch mit einem Haustier tun. Und umgekehrt kann selbstverständlich auch jemand ganz ohne tierischen Mitbewohner eine Wohnung in einem Zustand hinterlassen, den sich kein Vermieter wünscht.
Ich würde mir deshalb wünschen, dass Haustierbesitzer häufiger die Möglichkeit bekommen, sich und ihren Hund individuell vorzustellen, anstatt bereits beim Lesen des Wortes "Hund" aussortiert zu werden.
Wenn man eigentlich schon alles versucht hat
Was also tun?
Man schreibt sämtliche Immobilienagenturen der Region an - möglichst freundlich, aber bestimmt, mit der Bitte, sich zu melden, sobald auch nur irgendetwas Passendes verfügbar wird.
Man tritt Facebook-Gruppen bei, um bloß keine internen Angebote zu verpassen.
Man bittet den zukünftigen Arbeitgeber um Hilfe und hofft auf das berühmte "unter der Hand".
Man schreibt Gemeinden an.
Man aktualisiert täglich sämtliche Immobilienportale.
Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man feststellen muss: Mehr kann man gerade eigentlich nicht tun.
Dann bleibt nur noch hoffen. Und vielleicht ein kleines bisschen beten.
Es ist definitiv nicht leicht und teilweise unglaublich frustrierend. Trotzdem darf man die Hoffnung nicht verlieren. Denn theoretisch braucht es nur einen einzigen Kontakt zur richtigen Person im richtigen Moment - und plötzlich ist die gesamte monatelange Suche vergessen.
Bis dahin braucht es allerdings Geduld und Beharrlichkeit. Zwei Eigenschaften, bei denen ich - sagen wir es so - noch Entwicklungspotenzial habe.
Aber gerade deshalb ist diese Wohnungssuche vielleicht auch ein Teil dieses ganzen Abenteuers. Unsere Vierbeiner verdienen es, gemeinsam mit uns in einer schönen Umgebung zu leben. Und wenn man schon alles Bekannte und Gewohnte hinter sich lässt und sich auf einen kompletten Neuanfang einlässt, dann finde ich, dass man sich zumindest an seinem neuen Zuhause wohlfühlen sollte.
Denn gerade am Anfang, wenn man noch keine sozialen Kontakte aufgebaut hat, die Gegend kaum kennt und erst einmal lernen muss, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden, wird die eigene Wohnung wahrscheinlich eine der wichtigsten Rückzugsorte sein.
Eine passende Wohnung zu suchen ist deshalb für mich keine Belanglosigkeit.
Und aus Angst, überhaupt nichts mehr zu finden, möchte ich auch keinen Wohnraum akzeptieren, bei dem ich von Anfang an weiß, dass ich mich dort nicht wohlfühlen werde.
Wer dranbleibt und nicht aufgibt, wird am Ende belohnt.
Zumindest glaube ich ganz fest daran.
Zwei Monate bleiben noch ...
Einen Monat suche ich inzwischen.
Eine Wohnung hat mir die ganze Mühe bisher zwar noch nicht beschert - dafür aber etwas anderes. Über eine Hundesitter-Plattform habe ich ein Mädchen aus der Region kennengelernt, das mir seitdem hilft, wo es nur kann. Sie hält Augen und Ohren nach Wohnungen offen, gibt mir Tipps und unterstützt mich, obwohl wir uns vorher überhaupt nicht kannten.
Und vielleicht ist genau das auch eine kleine Erinnerung daran, dass all die Mühe nicht immer sofort zu dem Ergebnis führen muss, das man ursprünglich erwartet hat.
Manchmal entsteht auf dem Weg etwas ganz anderes daraus.
Vielleicht ein Kontakt.
Vielleicht eine Freundschaft.
Und vielleicht kennt am Ende genau diese eine Person jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt ...der zufällig eine Wohnung hat.
Wir werden sehen.
Noch habe ich zwei Monate Zeit. Und bis dahin heißt es:
weitersuchen, weiterschreiben und nicht aufgeben.
Lucy & Kim Gone Swiss - I'll keep you updated <3