Plot Twist: Kim and Lucy are Going Swiss 🇨🇭🦊

Same Girl. Same Dog. New Country

Bis vor Kurzem hätte ich wahrscheinlich selbst nicht geglaubt, dass ich diesen Satz einmal schreiben würde:

Ich ziehe in die Schweiz.

Und nein – das war weder jahrelang geplant noch stand St. Moritz auf irgendeiner geheimen „5-Jahres-Liste“. Ganz im Gegenteil. Die letzten Monate haben mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt und vieles ist sehr viel schneller passiert, als ich es normalerweise gerne hätte.

Denn wenn es etwas gibt, das ich liebe, dann ist es ein Plan. Am besten einer für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Nur hatte ich irgendwann ein Problem: Der Plan war da. Aber ich war mir nicht mehr sicher, ob es eigentlich meiner war.

Eigentlich hatte ich doch alles

Wenn man meinen bisherigen Lebenslauf betrachtet, ergibt er ziemlich viel Sinn.

Mit zehn Jahren kam ich ins Internat, machte dort mein Abitur, ging anschließend direkt an eine Privatuniversität, studierte Zahnmedizin, promovierte und begann danach als Zahnärztin in der Praxis meiner Eltern zu arbeiten.

Der Weg schien klar: Erfahrungen sammeln, mich weiterentwickeln und irgendwann vielleicht die Praxis übernehmen.

-Sicher. Vernünftig. Logisch -

Und objektiv betrachtet ziemlich privilegiert.

Genau das machte alles, was danach kam, so kompliziert.

Denn ich kann nicht sagen, dass ich gehen möchte, weil mein bisheriges Leben schlecht ist. Es gab keinen großen Knall, kein einschneidendes Ereignis und keinen Moment, an dem alles zusammengebrochen ist.

Im Gegenteil.

Ich habe einen sicheren Job, eine wunderschöne berufliche Perspektive, finanzielle Sicherheit, meine Familie in der Nähe, eine schöne Wohnung und mit der Praxis meiner Eltern eine Zukunft, um die mich vermutlich viele Menschen beneiden würden.

Und trotzdem war da irgendwann dieses Gefühl: Irgendetwas fehlt.

Wenn nach dem Studium plötzlich alles anders ist. Die ersten Jahre nach meinem Studium wurden zu einer der herausforderndsten Phasen meines bisherigen Lebens.

Nicht nur, weil der Einstieg ins Berufsleben als Zahnärztin anspruchsvoll war. Gleichzeitig verschwand von einem Tag auf den anderen das soziale Umfeld, das für mich jahrelang selbstverständlich gewesen war.

Im Internat war immer jemand da. Während des Studiums lebten meine engsten Freunde praktisch um die Ecke. Wir sahen uns ständig, teilten unseren Alltag und waren füreinander da. Und plötzlich lebte ich in einem kleinen Ort, in dem ich kaum jemanden kannte.

Viele Menschen dort kennen sich seit ihrer Kindheit. Dazu kam, dass ein großer Teil der Menschen, denen ich begegnete, gleichzeitig Patienten unserer Praxis waren. Neue Freundschaften aufzubauen oder einfach nur „Kim“ zu sein und nicht die Tochter meiner Eltern oder die Zahnärztin aus der Praxis, war dadurch gar nicht so einfach.

Gleichzeitig arbeitete ich zum ersten Mal im Familienunternehmen. Und wer schon einmal mit der eigenen Familie gearbeitet hat, weiß vermutlich: Das bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich.

Man möchte dem Beruf gerecht werden. Den Patienten. Der Praxis. Den Eltern. Und natürlich vor allem den eigenen Ansprüchen.

Irgendwann wusste ich gar nicht mehr genau, welche Erwartungen eigentlich meine eigenen waren – und welche ich einfach übernommen hatte.

Ein Leben an zwei Orten

Ich wollte trotzdem nicht aufgeben. Also sagte ich mir immer wieder:

Du musst dich nur einleben. Du musst Kontakte knüpfen. Du musst dir hier etwas aufbauen. Irgendwann wird es sich schon richtig anfühlen.

Ich versuchte es wirklich.

Und gleichzeitig begann ich, meiner Einsamkeit auf eine andere Art zu entkommen: Ich verbrachte immer mehr Wochenenden in München, auch wenn diese 2h entfernt war. Dort waren meine Freunde. Dort war Leben. Dort fühlte ich mich wieder etwas mehr wie ich selbst. Meine eigene Wohnung wurde irgendwann fast nur noch der Ort, an dem ich unter der Woche schlief, während mein eigentliches Leben gefühlt woanders stattfand.

Aus ein paar Monaten wurden Jahre.

Und dieses Gefühl, nur vorübergehend irgendwo zu sein, verschwand nicht. Es fühlte sich an wie ein Praktikum auf Zeit – nur ohne festgelegtes Enddatum.

Je länger dieser Zustand anhielt, desto stärker beschäftigte mich eine Frage:

Wenn ich mir hier wirklich mein gesamtes zukünftiges Leben aufbaue – wie soll dieses Leben eigentlich aussehen?

Das Problem mit der sicheren Zukunft:

Ich bin ein Mensch, der Sicherheit liebt.

Ich möchte am liebsten heute schon wissen, wie die nächsten zehn Schritte aussehen. Ungewissheit und Kontrollverlust gehören definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Also begann ich, meine Zukunft gedanklich bis ins kleinste Detail lösen zu wollen.

Wie könnte ich später die Praxis übernehmen? Wo würde ich leben? Wie könnte ich gleichzeitig meine Freunde sehen? Würde ich irgendwann einen Partner kennenlernen? Würde ich mich hier doch noch zuhause fühlen?

Ich suchte permanent nach einer Lösung für ein zukünftiges Leben, das noch gar nicht existierte. Und irgendwann bemerkte ich etwas ziemlich Unangenehmes:

Ich wartete.

  • Auf die richtige Freundschaft.

  • Auf den richtigen Mann

  • Auf irgendeinen äußeren Umstand, der plötzlich alles verändern und mir zeigen würde, was ich tun soll.

Im Grunde wartete ich darauf, dass jemand anderes mir die Entscheidung abnimmt.

Bis ich verstanden habe:

Da kommt niemand.

Mel Robbins, deren Podcasts mich schon lange begleiten, hat einen Satz gesagt, der bei mir hängen geblieben ist:

“No one’s coming.”

->Niemand wird mein Leben für mich verändern.

-> Niemand kann mir sagen, welche Entscheidung mich glücklich macht.

-> Und niemand kann mir die Verantwortung dafür abnehmen, herauszufinden, was ich eigentlich möchte.

Das kann nur ich.

Aber darf man gehen, wenn eigentlich alles gut ist?

Das war wahrscheinlich die schwierigste Frage überhaupt. Denn wie rechtfertigt man eine Veränderung, wenn es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt? Mein Umfeld liefert mir schließlich jeden Tag gute Argumente zu bleiben.

Meine Eltern wünschen sich natürlich, dass ich die Praxis eines Tages weiterführe. Patienten sagen mir, wie sehr sie sich darüber freuen würden. Andere Menschen verstehen teilweise überhaupt nicht, warum ich mit dieser Situation nicht einfach zufrieden bin. Und ich verstehe sie sogar.

Von außen betrachtet ergibt es wenig Sinn, Sicherheit gegen Ungewissheit einzutauschen. Aber dieses innere Gefühl lässt sich schwer in eine Excel-Tabelle packen.

Irgendwann musste ich mich deshalb fragen:

Bleibe ich, weil ich dieses Leben wirklich möchte – oder bleibe ich, weil es vernünftig ist und andere Menschen es von mir erwarten?

Und wenn ich ganz ehrlich zu mir war, kannte ich die Antwort.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich bin 27.

Ich bin ungebunden. Ich habe keine Kinder. Ich kann finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ich habe eine Familie, die hinter mir steht, selbst wenn meine Entscheidung vielleicht nicht diejenige ist, die sie sich ursprünglich für mich vorgestellt hat.

Und vor allem habe ich Zeit.

  • Zeit, etwas auszuprobieren.

  • Zeit, eine falsche Entscheidung zu treffen.

  • Zeit, zurückzukommen.

  • Zeit, noch einmal neu anzufangen.

Vielleicht werde ich irgendwann feststellen, dass das Leben, das ich zurückgelassen habe, doch genau das Richtige für mich war. Aber selbst dann möchte ich diese Erkenntnis haben, weil ich es selbst herausgefunden habe – und nicht, weil ich mich nie getraut habe, nachzusehen, was außerhalb meiner Komfortzone liegt.

Also stellte ich mir irgendwann nur noch eine Frage:

Wenn nicht jetzt – wann dann?

Komfortzone. Angstzone. Wachstumszone.

Eine Therapeutin, die mich in den vergangenen Jahren begleitet hat, hat mir ein Bild mitgegeben, das ich bis heute im Kopf habe: Wenn wir unsere Komfortzone verlassen, landen wir nicht sofort in der Wachstumszone. Dazwischen liegt die Angstzone.

Und genau dort befinde ich mich gerade. Es fühlt sich nämlich keineswegs jeden Tag mutig und aufregend an, sein bisheriges Leben auf den Kopf zu stellen. Meistens fühlt es sich einfach nur beängstigend an.

Ich kündige meine Wohnung. Ich verlasse meinen sicheren Arbeitsplatz. Ich beginne einen neuen Job in einem anderen Land. Ich muss eine Wohnung finden, Versicherungen abschließen, Behördengänge erledigen, neue Menschen kennenlernen und mir ein komplett neues Leben aufbauen. Und zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich nicht sagen, wie mein Leben in fünf Jahren aussehen wird.

Vielleicht ist genau das meine größte Lektion.

Nicht alles kontrollieren zu müssen.

Ich muss heute noch nicht wissen, wo ich in fünf Jahren leben werde, welche Praxis ich irgendwann führen möchte oder wie mein privates Leben aussehen wird.

Ich muss nur wissen, was mein nächster Schritt ist.

Und meiner führt mich gerade in die Schweiz.

Und dann ist da natürlich noch Lucy

Ganz alleine starte ich dieses Abenteuer zum Glück nicht. Denn egal, wie viel sich in meinem Leben gerade verändert – eine Konstante bleibt.

Lucy.

Sie war in den vergangenen Jahren bei mir, wenn ich mich einsam gefühlt habe, bei all meinen Wochenendtrips, meinen Spaziergängen, meinen guten Tagen und den weniger guten. Und selbstverständlich kommt sie mit.

Während ich also versuche herauszufinden, wie man in einem neuen Land ein Bankkonto eröffnet, eine Aufenthaltsbewilligung beantragt, einen neuen Job beginnt und mit Ende zwanzig noch einmal einen komplett neuen Freundeskreis aufbaut, hat Lucy vermutlich nur zwei relevante Fragen:

Wo gehen wir spazieren – und wann gibt es Abendessen?

Vielleicht ist diese Einstellung gar nicht die schlechteste.

Kim & Lucy gone Swiss

Wie es ausgerechnet die Schweiz wurde, warum ich mich schließlich für St. Moritz entschieden habe und was während meiner Jobsuche alles passiert ist, würde diesen Artikel endgültig sprengen.

Denn allein diese Geschichte verdient einen eigenen Beitrag.

Sagen wir so viel: Die vergangenen Monate bestanden aus einigen Umwegen, überraschenden Begegnungen, Absagen, neuen Möglichkeiten und ziemlich vielen Momenten, in denen ich dachte, ich wüsste endlich, wohin mein Weg führt – nur damit kurz darauf wieder alles anders kam.

Aber vielleicht muss ein Weg auch nicht immer gerade verlaufen, um am Ende der richtige zu sein.

Und genau deshalb möchte ich euch auf diesem Blog mitnehmen.

Nicht nur zu den schönen Bildern aus St. Moritz, sondern auch zu allem, was dazugehört: Wohnungssuche, Auswanderung, Bürokratie, neuer Job, Leben mit Hund in der Schweiz, neue Freundschaften, erste Skiversuche, kleine Katastrophen und hoffentlich ziemlich viele Momente, in denen ich irgendwann denke:

Gut, dass ich mich getraut habe.

Ich weiß heute noch nicht, ob die Schweiz für ein Jahr, für fünf Jahre oder für immer mein Zuhause sein wird.

Und zum ersten Mal in meinem Leben versuche ich, genau das nicht wissen zu müssen.

Ich probiere es einfach.

Ich wage es.

Und schaue, was passiert.

Same girl. Same dog. New beginnings.

Welcome to Kim & Lucy Gone Swiss. 🇨🇭