Unser erster Besuch beim Hundefriseur – und warum ich dabei mehr gelernt habe als erwartet
Warum Babyshampoo, meine bisherige Bürste und „die Fellpflege kriege ich schon selbst hin“ plötzlich Geschichte waren
(Lucy’s erster Waschvorgang)
Lucy ist zehn Jahre alt. Und bis vor Kurzem war sie noch nie beim Hundefriseur.
Nicht, weil mir ihre Pflege egal wäre – ganz im Gegenteil. Aber irgendwie war Fellpflege für mich immer etwas, das wir eben zu Hause machen. Bürsten, waschen, Pfoten sauber machen und fertig. Schließlich ist Lucy auch kein Hund, bei dem man auf den ersten Blick denkt: Die muss dringend regelmäßig zum Groomer.
Ich bin immer davon ausgegangen, dass es Hunde gibt, die aufgrund ihrer Rasse oder ihres speziellen Fells eine spezielle Behandlung benötigen und nur diese Hundebesitzer einen Hundefriseur aufsuchen, aber da lag ich falsch.
Bis ich irgendwann angefangen habe, mich zu fragen, ob ich eigentlich wirklich weiß, was ich da tue.
Denn Lucy hat unglaublich viel Unterwolle. Sie haart teilweise extrem, hatte immer wieder Schuppen im Fell und neigt auch dazu, dass sich Haut- beziehungsweise Talgdrüsen zusetzen. Gleichzeitig hatte ich beim Bürsten zunehmend das Gefühl, dass ich gar nicht richtig beurteilen kann, ob die Bürste, die ich verwende, für ihr Fell überhaupt geeignet ist.
Entferne ich damit wirklich sinnvoll Unterwolle? Reize ich vielleicht ihre Haut? Tut ihr das Bürsten womöglich sogar weh?
Und irgendwann dachte ich mir: Für meine eigenen Haare gehe ich schließlich auch zu einem guten Friseur und investiere Geld in vernünftige Pflege und Beratung. Warum sollte ich das bei meinem Hund anders machen?
Bei einem Tierschutzhund ist „einfach ausprobieren“ nicht ganz so einfach
Bei Lucy kommt allerdings noch etwas dazu. Sie kommt von der Straße.
Ich hatte nie die Möglichkeit, sie als Welpen spielerisch daran zu gewöhnen, auf einem Tisch zu stehen, geföhnt zu werden, eine Dusche über sich ergehen zu lassen oder sich von einer fremden Person überall anfassen zu lassen.
Und mit mittlerweile zehn Jahren erfindet Lucy sich in solchen Dingen auch nicht plötzlich komplett neu.
Wasser? Nicht ihr größtes Hobby.
Duschen? Wird toleriert.
Einshampooniert werden? Wenn es unbedingt sein muss….
Sie hat bei mir gelernt, dass manche Dinge zur Pflege dazugehören und dass nichts Schlimmes passiert. Ich kann ihr sogar Zahnstein entfernen, als Zahnärztin ist mir das natürlich eine Herzensangelegenheit ;) Aber sie wird vermutlich nie der Hund sein, der begeistert in eine Dusche hüpft und sich auf seinen Spa Day freut.
Und das ist auch vollkommen okay.
Genau deshalb war mir bei der Wahl des Hundefriseurs eines besonders wichtig: Ich wollte jemanden, der nicht einfach ein Programm abarbeitet. Jemanden, der meinen Hund lesen kann. Der erkennt, wann noch ein kleiner Schritt möglich ist – und wann es für diesen Tag genug ist.
Manchmal führen Zufälle genau zum richtigen Menschen
In unserem Fall war es tatsächlich ein ziemlich schöner Zufall, wie so oft in letzter Zeit.
Jenny Paatz, die Inhaberin von My Little King. Wir haben uns immer wieder über Tiere unterhalten und irgendwann erzählte sie mir, dass sie ihren eigenen Hundesalon eröffnet hat, da das schon immer einer ihrer Träume war.
Damit war für mich ziemlich schnell klar: Wenn ich das mit Lucy ausprobieren möchte, dann dort.
Was mich von Anfang an überzeugt hat, war ihre unglaublich ruhige Art. Kein Drängen, kein „Da muss sie jetzt durch“, kein möglichst schnelles Abarbeiten. Stattdessen ging es beim ersten Termin erst einmal um etwas völlig anderes:
Vertrauen.
Lucy durfte ankommen. Sich umsehen. Jenny kennenlernen. Der erste Termin bestand im Grunde aus Anschauen, vorsichtigem Bürsten und Herantasten. Und dann war Schluss.
Nicht, weil man nicht noch mehr hätte machen können, sondern weil es viel wichtiger war, an einem positiven Punkt aufzuhören.
Damit Lucy beim nächsten Mal nicht denkt: Oh nein, nicht schon wieder dieser Laden.
Sondern vielleicht: Da war ich schon mal. War eigentlich gar nicht so schlimm.
Und genau das hat funktioniert.
Was ich über Fellpflege gelernt habe
Was mich während unserer Termine fast genauso überrascht hat wie Lucy selbst, war, wie viel ich dabei gelernt habe.
Zum Beispiel, wie unterschiedlich Hundefell überhaupt sein kann – und dass die richtige Pflege sehr stark vom jeweiligen Felltyp abhängt.
Bei manchen Rassen ist professionelle und regelmäßige Fellpflege besonders wichtig. Pudel beispielsweise haben ein Fell, das kontinuierlich weiterwächst und deshalb entsprechend geschnitten beziehungsweise gepflegt werden muss. Hunde mit sehr dichter Unterwolle wiederum brauchen eine ganz andere Pflege. Und bei langem oder stark verfilzendem Fell können Verfilzungen nicht nur unangenehm aussehen, sondern im schlimmsten Fall zu einem echten gesundheitlichen Problem werden.
Plötzlich wurde mir bewusst: Fellpflege ist nicht einfach nur Beauty oder etwas, das wohlhabende Menschen mit ihrem Hund in ihrer Freizeit genießen. Sie gehört zur Gesundheit eines Hundes.
Und dann kam meine eigene kleine Grooming-Ernüchterung.
Meine Bürste? Leider nicht die beste Idee.
Bis dahin hatte ich für Lucy unter anderem einen Furminator verwendet.
Ich dachte: Unterwolle raus = Problem gelöst.
Jenny erklärte mir allerdings, dass diese Art von Werkzeug für Lucys Fell und insbesondere ihre empfindliche Haut nicht optimal ist. Die Klinge kann deutlich schärfer sein als gedacht und die Haut reizen. Für ihre starke Unterwolle gibt es geeignetere Bürsten und Werkzeuge, die das Fell schonender bearbeiten.
Sie gab mir direkt eine passende Bürste zum Ausprobieren mit. Und genau solche Kleinigkeiten waren für mich der Grund, weshalb sich der Besuch schon gelohnt hatte. Des Weiteren erhielt ich auch konkrete Tipps zum Thema Zecken entfernen, Umgang mit nassem Fell, die richtigen Handtücher etc.
Man kann es schließlich nur besser machen, wenn man weiß, was man besser machen kann.
Und dann musste auch noch mein Babyshampoo gehen
Bei diesem Punkt war ich bis dahin wirklich überzeugt, besonders vernünftig zu handeln.
Wenn ich Lucy zu Hause gewaschen habe, habe ich möglichst milde Produkte verwendet. Unparfümiert, wenig Inhaltsstoffe, möglichst hautfreundlich – gerne Produkte, die sogar für Babys geeignet sind.
Meine Logik:
Wenn es mild genug für Babyhaut ist, wird es für einen Hund wohl erst recht okay sein.
Turns out: So einfach ist es nicht.
Die Haut von Hunden unterscheidet sich von unserer Haut unter anderem hinsichtlich ihres pH-Werts. Deshalb sollten Shampoo, Conditioner und andere Pflegeprodukte speziell für Hunde beziehungsweise deren Haut und Fell formuliert sein.
Also hieß es bei uns: Babyshampoo raus - Hunde-Spa-Sortiment rein - Lucy Gone Wild goes Beauty Blog
(Nur eben auf vier Pfoten)
Termin Nummer zwei – und plötzlich zog Lucy mich in den Salon
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn Hundebesitzer, die insbesondere wie ich einen erwachsenen oder besonders sensiblen Hund haben, sich nicht trauen, zu einem Hundesalon zu gehen. Ich war auch sehr aufgeregt und habe mir Sorgen gemacht, dass wir den Termin direkt wieder abbrechen müssen. Im Schlimmsten Fall müsste man eventuell sogar mit Maulkorb arbeiten dachte ich, aber so weit wollte ich nicht gehen.
Man möchte seinem Tier ja letztendlich etwas Gutes tun und es nicht noch mehr stressen als unbedingt notwendig.
Bei unserem ersten Termin gab es tatsächlich auch einige Pannen: die Saloninhaberin wollte Lucy auf einen Tisch heben um ein Vorher-Bild zu generieren. Leider mag Lucy es nicht wenn man sie hochhebt weshalb der Start direkt negativ war. Frau Paatz hat allerdings bestens reagiert und Lucys Vertrauen innerhalb weniger Minuten wiedergewonnen. Daraufhin konnte ich auch erstmal tief ausatmen und der Termin konnte starten.
Beim zweiten Termin wollten wir einen Schritt weitergehen und auch das Waschen/Föhnen üben.
Die klassische Brause fand Lucy zunächst erwartungsgemäß nicht besonders überzeugend. Also wurde kurzerhand umgedacht.
Statt darauf zu bestehen, dass Lucy das jetzt eben aushalten muss, wurde eine Flasche vorbereitet, mit der Shampoo und Wasser viel ruhiger aufgetragen werden konnten. Dazu ein hochwertiges 2-in-1-Produkt aus Shampoo und Conditioner, damit die Zeit in der Dusche möglichst kurz bleibt und Lucy trotzdem die komplette Pflege bekommt.
Kleine Anpassungen. Für den Hund aber ein riesiger Unterschied.
Hätte ich zu dem Zeitpunkt noch Zweifel gehabt an diesem Salon, so wären sie spätestens jetzt aus dem Weg geräumt worden. Diese Flexibilität fand ich wahnsinnig toll. In der Dusche wurde Lucy auch mit einem passenden Halsband befestigt um ein Springen aus der Wanne zu verhindern. Beim Föhnvorgang wurde Lucys Gehör geschützt und gleichzeitig ihre Ohren gepflegt.
das Foto hat zu einem 5 min Lachanfall geführt …. :)
Und dann passierte etwas, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte.
Beim nächsten Besuch wusste Lucy bereits genau, wo wir waren – und zog an der Leine in Richtung Salon.
Mein Hund.
Der Hund, der Wasser ungefähr so attraktiv findet wie ich einen Zahnarzttermin ohne Betäubung.
Sie wollte rein.
Im Salon legt sie sich mittlerweile freiwillig in ihr Hundebett und wirkt dort erstaunlich entspannt.
(ein seltenes Ereignis, meinen Hund in einem fremden Hundebett zu sehen, noch dazu völlig entspannt)
Und für mich ist genau das eigentlich das größte Kompliment, das ein Hund einem Menschen machen kann.
Lucy kann schließlich keine Google-Bewertung schreiben.
Aber sie kann mir ziemlich deutlich zeigen, ob sie einem Ort und einem Menschen vertraut.
Nicht jeder Hund muss irgendwann alleine bleiben können
Eine Sache funktioniert bei uns allerdings weiterhin nicht: Ich kann Lucy nicht einfach dort abgeben und später wiederkommen.
Aufgrund ihrer Trennungsängste wäre das für sie aktuell zu viel. Sie braucht meine Gegenwart um genug Sicherheit zu haben um die Behandlungen über sich ergehen lassen zu können.
Bei anderen Hunden kann sich das nach einer Eingewöhnungsphase durchaus entwickeln. Dann bringt man seinen Hund zum Termin, erledigt in der Zwischenzeit etwas und holt ihn später frisch gebürstet und gepflegt wieder ab.
Bei uns ist das eben anders.
Und auch das gehört für mich zu guter Tierpflege: nicht danach zu fragen, was ein Hund theoretisch können sollte, sondern danach, was dieser eine Hund gerade kann.
Muss jetzt jeder Hund regelmäßig zum Hundefriseur?
Nein. Dieser Artikel soll eventuelle Vorbehalte aufräumen und darauf hinweisen wie wertvoll ein solcher Besuch beim Hundefriseur sein.
Ich glaube mittlerweile, dass es für fast jeden Hundehalter sinnvoll sein kann, sich zumindest einmal professionell zur Fell- und Hautpflege seines eigenen Hundes beraten zu lassen.
Welche Bürste passt zu diesem Fell?
Wie entfernt man Unterwolle richtig?
Wie häufig sollte überhaupt gebürstet werden?
Welches Shampoo ist geeignet?
Woran erkennt man beginnende Verfilzungen oder Hautprobleme?
Und was kann man problemlos selbst zu Hause machen?
Danach kann jeder selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Vielleicht lernt man die richtigen Handgriffe und übernimmt den Großteil der Pflege zu Hause. Vielleicht stellt man fest, dass der eigene Hund von regelmäßigen professionellen Terminen profitiert.
Für mich war vor allem eines wichtig:
Ich möchte Dinge nicht irgendwie machen, nur weil ich sie schon immer so gemacht habe.
Wenn ich die Möglichkeit habe, etwas über meinen Hund zu lernen und ihre Pflege dadurch besser zu machen, dann möchte ich diese Möglichkeit nutzen.
Little Lucy's Beauty Address
Und weil ich selten Empfehlungen ausspreche, hinter denen ich nicht wirklich stehe, möchte ich diese hier ganz bewusst dalassen.
Wir waren bei My Little King bei Jenny Paatz in Bachhagel.
Der Salon ist noch relativ neu – und genau deshalb möchte ich ihn gerne unterstützen. Es besteht keinerlei Kollaboration oder Ähnliches. Ich bin sehr überzeugt und spreche daher diese Empfehlung aus.
Wer aus der Gegend rund um Bachhagel kommt, beispielsweise aus Richtung Nattheim, Heidenheim, Aalen, Gundelfingen, Lauingen, Dillingen oder auch Günzburg, und nach jemandem sucht, der nicht einfach nur Fell schneidet, sondern sich wirklich auf den einzelnen Hund einstellt, sollte sich Jenny einmal anschauen.
Was für mich den Unterschied macht, ist nicht das schönste Shampoo oder die professionellste Ausstattung.
Es ist die Art, wie jemand mit meinem Hund umgeht.
Lucy ist zehn Jahre alt, kommt ursprünglich von der Straße, mag Wasser nicht besonders und bringt ihre ganz eigenen Unsicherheiten mit.
Und trotzdem zieht sie mittlerweile an der Leine, wenn sie merkt, dass wir zu Jenny gehen.
Mehr Empfehlung brauche ich eigentlich nicht.
Denn am Ende geht es beim Hundefriseur für mich nicht darum, dass mein Hund danach besonders hübsch aussieht.
Es geht darum, dass Haut und Fell gesund sind.
Dass ich weiß, wie ich sie richtig pflege. Und dass Lucy dabei gelernt hat:
Pflege darf sich sicher anfühlen.
Und vielleicht sogar ein kleines bisschen nach Wellness.
Lucy Gone Wild – diesmal mit Shampoo, Conditioner und überraschend viel Vertrauen.